Interview mit Markus Jütte

 

Markus Jütte ist Synchronübersetzer. Er hat sich schon vielen Serien und Filmen angenommen. Er übersetzt neben den Gilmore Girls auch Weeds, Malcolm mittendrin, Crossing Jordan, CSI, Charmed und viele mehr. Außerdem hat er an vielen Filmen gearbeitet u.a. Die Queen, Prestige, Nachts im Museum, Ab durch die Hecke, Der ewige Gärtner, Flightplan, Alexander, Garden State, Ice Age 2, Scary Movie 1-4, Charlie und die Schokoladenfabrik.

Wie sind Sie zum Übersetzen gekommen?
Ich habe Anglistik und Germanistik studiert, weil ich mich immer schon für Sprachen, besonders für Englisch interessiert habe. Den Sprung zum Übersetzen habe ich durch einen Zufall geschafft. Ein Freund von mir hat damals "California Clan" übersetzt und meinte, dass dort immer noch Leute gebraucht würden und ich mich einfach mal bewerben soll. Das hat dann auch so geklappt.

Wo liegt der Reiz beim Übersetzen? Freuen Sie sich Ihre Worte später im TV oder Kino zu hören?
Naja, ich übersetze erstmal Inhalt und Sinn der Scripte, aber nach mir kommt noch der Synchronautor, der meine Übersetzung nimmt und sie auf den Mund der Schauspieler legt. Oft finden sich noch meine Worte wieder, aber nicht zwangsläufig. Was mir besonders Spaß macht, ist das passende deutsche Wort für das englische zu finden, einen Witz zu retten, der eigentlich nicht zu retten ist und so wenig wie möglich verloren gehen zu lassen.

Wie gehen Sie mit den ganzen Anspielungen in der Serie um?
Oft muss ich recherchieren, was der Hintergrund ist, wenn es sich um Politiker, Philosophen oder andere Personen handelt, die wir in Deutschland nicht kennen. Anders also als bei Musikern oder Schauspieler, die uns meistens geläufig sind, muss ich da versuchen einen adäquaten Ersatz zu finden, der für den Witz, die Anspielung Sinn macht, aber auch bei uns verständlich und bekannt ist.

Sind SIe durch die Übersetzung zum Fan der Serie geworden?
Am Anfang war ich ziemlich begeistert. Die Gilmore Girls waren mal was Anderes. Es ist eine lustige Serie. Ich mochte besonders die vielen Musikanspielungen, da ich selbst Musikfan bin und man in der Serie auch mal Bandnamen zu hören kriegt, die eben nicht jeder kennt. Ich mochte auch die ganze Konstellation der Serie: die junge Mutter, die in einem verschlafenen kleinen Nest ihre Tochter aufzieht. Nicht zu vergessen sind natürlich die vielen liebenswerten Nebenfiguren. Aber wie so oft nutzt sich eine solche Idee auch bald ab. Viele Serienkonzepte reichen für vielleicht drei, vier Staffeln. Auch bei den Gilmore Girls wäre es wohl idealer gewesen nach der fünften Staffel aufzuhören. Es hätte bei den Fans zwar viel Trauer ausgelöst, aber dann wäre die Serie bis zum Ende gleich gut gewesen.

Sean GunnHaben Sie eine Lieblingsfolge, -szene, -figur?
Es gibt soviele Folgen, da weiß ich gar nicht, welche ich am besten fand. Meine Lieblingszenen sind die beim Freitagabend-Dinner mit Emily und Richard. Ich mag auch sehr gerne, obwohl nervig zu übersetzen, die Szenen mit Paris. Meine Lieblingsfigur ist Kirk. Ich mag den Running-Gag, dass er wirklich alles in der Stadt macht. Ah ja, meine Lieblingsfolge ist die, in der Kirk seinen Film vorführt. Die war große Klasse. Natürlich mag ich auch Lorelai und Rory als Figuren, sowie auch Luke und Taylor, besonders wenn die beiden sich streiten, wie in der Folge, als Taylor seinen Sodashop eröffnet und ein Fenster zu Lukes Diner errichtet.

Wie bewerten Sie die Leistung der Synchronsprecher?
Ich habe die Serie nicht so oft in deutscher Übersetzung gesehen und mag grundsätzlich lieber Filme und Serien im Original. Aber sehe natürlich ein, dass eine Synchronisation notwendig ist und ich finde insgesamt, dass es bei den Gilmore Girls gut gelungen ist. Besonders die Stimmen von Luke und Lorelai sind gut ausgesucht. Schade wirklich, dass die Stimme, der Emily Gilmore wechseln musste.

Sie übersetzt unglaubliche viele Serien und Filme. Welches ist Ihr Favorit?
Unter den Serien steht Gilmore Girls wirklich oben, obwohl ich auch Weeds sehr gut finde, die Serie ist sehr bissig, witzig und gemein. Selbst bin ich aber kein großer Serienfan. Ich mag auch die Kinofilme lieber übersetzen, weil es sich um abgeschlossene Projekte handelt, die sind meistens spannender. Mir gefallen oft die kleineren Filme besser wie, "Lulu on the bridge" oder "Dead letter office",, da geht es um einen Postboten, der sich um die unzustellbaren Briefe kümmert. Von den großen Produktionen fand ich "Die Dolmetscherin" sehr spannend und gut gemacht. "Fluch der Karibik 3" mochte ich aber auch sehr gern.

Vielen Dank für das Gespräch.